NABU Weinstadt
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           Ausflug nach Güglingen am 13. Mai 2006

Das ist Güglingen!

Guter Stimmung fuhr eine Gruppe des NABU- Weinstadt und NABU- Freunde auf Entdeckungsreise ins Zabergäu.

Unsere Fahrt ging über Ludwigsburg – Freudental – Cleebronn nach Güglingen. Schon im Bus konnten wir das schöne Panorama dieser Gegend bewundern z.B. den Michaelsberg mit seiner Kapelle. Unser Ziel Güglingen war erreicht. Güglingen liegt im Herzen des Zabergäus zwischen Heuchelberg und Stromberg.

Nach einer herzlichen Begrüßung im Deutschen Hof, haben wir gleich einiges geschichtliches über die kleine Stadt an der Zaber erfahren.

Wie einige Funde beweisen, bauten schon die alten Römer hier ihre Siedlungen. 1999 wurde sogar ein Mithra- Tempel entdeckt. Dieses seltene, römische Heiligtum war dem unbesiegbaren Sonnengott Mithra geweiht.

Die Römer wussten damals schon die fruchtbaren Böden und das milde Klima für ihren Weinbau zu nutzen und wie ihre Spuren zeigen, fühlten sie sich wohl in „Klein- Italien“.

Der Rahmen würde gesprengt, wenn ich hier auf jede geschichtliche Begebenheit ausführlich eingehen würde, nur soviel sei gesagt – dieses kleine Städtchen erlebte im Laufe seiner Entwicklung gute und schlechte Zeiten, Aufstände und Kriege, Pest und verheerende Brandfälle.

Bis weit in das 19. Jahrhundert waren neben kleineren handwerklichen Betrieben der Acker- und Weinbau die Haupterwerbszweige. Das fortschreitende Industriezeitalter führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zu einer weitgehenden Umwandlung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

In den siebziger Jahren wurde dann mit einer einzigartigen Stadtkernsanierung begonnen. Ein Architekt Namens Rall und ein Bürgermeister Namens Volk haben erfolgreich versucht „Altes“ und „Neues“ in Einklang zu bringen.

Bei unserer Stadtkernbesichtigung zeigte uns Herr Seizinger als erstes die früher mittelalterliche Mauritiuskirche, die bei dem großen Stadtbrand 1849 abgebrannt ist und 1850 im Kameralamtsstil wieder aufgebaut wurde. Die moderne Innenerneuerung, die 1977 durchgeführt wurde, ist einzigartig und außergewöhnlich. Zum Inventar gehört ein neu geschaffenes Palmtuch, in Erinnerung an das verbrannte Fastentuch. 40 Künstler stellen in 60 Bildern die Hauptbegebenheiten der biblischen Geschichte dar. Sehenswert ist diese Kirche auf jeden Fall.

Ein wichtiger Aspekt dieser Stadtkern- Erneuerung war die Integration der künstlerischen Beiträge.

Doch nicht alle Kunst ist jedermanns Sache. Der „Güglinger Bacchus“ im Deutschen Hof sieht aus, als hätte der Alkohol schlimme Spuren bei ihm hinterlassen oder die Statue „Der Wächter“ von Richard Hess – da frag ich mich; sahen so früher die Männer aus?

Es gab aber unter all den zahlreichen Kunstgegenständen durchaus auch Kunstwerke zu entdecken, die in ihrer Ausdrucksform und Gestaltung ansprachen so z.B. der Lebensbaum von Ursula Stock oder die moderne Malerei im Rathaus. Dort wurden wir nach einer Tasse Kaffee (für Wein war es noch zu früh) vom Güglinger NABU Vorsitzenden Herrn Stotz begrüßt.

In einem kurzen Bericht zeigte er uns die „ökologische Stadtentwicklung“. In diesem Programm ist Güglingen als Modell – Gemeinde aufgenommen. Außer Solarenergie- und Brauchwasser- Nutzung wird in vielen Bereichen Natur- und Landschaftspflege gefordert.

So entstanden 3 verschiedene Lehrpfade mit Schaubildern und Texten über die Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Ein besonders hervorzuhebendes, einmaliges Projekt ist „Heimatkunde hautnah erleben“. Mit über 20 Schulklassen war der NABU- Güglingen bis jetzt auf Exkursion. Natur hautnah erleben ist eine wertvolle Erfahrung – „Hut ab“ vor soviel Engagement!

Nach soviel geistiger Nahrung hat der Magen geknurrt! Auf dem Weg in die Herzogskelter, die Sonne strahlte, der Himmel war weiß – blau (wie die Flagge Güglingens), konnten wir immer wieder die wunderschön sanierten alten Fachwerkhäuser bewundern, die im gelungenen Einklang mit der modernen Architektur und den Kunstwerken stehen.

Nach dem Mittagessen wanderten wir bei herrlichem Wetter in das Heuchelberggebiet durch Streuobstwiesen, Weinberge und Wälder. Die Führung hatte Herr Stotz und Herr Wennes vom NABU Güglingen.

Von weitem hörten wir einen Grünspecht rufen, buntes Vogelgezwitscher begleitete unsere Wanderung. Ein Vogelmännchen balzte so schön, dass Margret ins Schwärmen kam, sie meinte: Herrschaft- Seiten warum können unsere Männer nicht so schön balzen??? Ich denke, der Grund liegt wohl daran, dass sie nicht fliegen können!

Immer wieder hatten wir eine herrliche Aussicht ins Zabertal samt Michaelsberg und Stromberg. Goldgelbe Rapsfelder, Teppiche von blühendem Bärlauch und Weinberge wohin das Auge reichte. In den Ritzen der Sandsteinmauern sahen wir kleine neugierige Mauereidechsen, die die Schmetterlinge beobachteten und ringsumher die verschiedensten Wiesenblumen.

Der Rundwanderweg ging zu Ende und der nächste Höhepunkt wartete schon. Wieder zurück in Güglingen beim Deutschen Hof setzten wir uns gemütlich um den Weinbrunnen. Ein Brunnen besonderer Art. Geschaffen von der Bildhauerin Ursula Stock. Er spendet frisches Trinkwasser, das wir müden Wanderer sehr genossen. Doch was dann kam, war wie im Schlaraffenland. Ein Zauberwort von unserem Gerd Volk und es kam zur Freude aller, auf der einen Seite Rotwein und auf der anderen Seite Weißwein aus dem Brunnen. Wie er das wohl angestellt hat? Dazu gab es leckere Brezeln, lustige Geschichten vom Kellermeister Baumann und als es dann am Schönsten war hat Herr Munz mit uns ein Lied angestimmt.

Es war nicht nur eine gelungene Abendüberraschung sondern ein wunderschöner Ausflug!

Text: Anita Mang

 

 

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